Stopp der KESB-Willkür

Gemeinsam gegen das Unrecht

Stellungnahme der Grosseltern im Fall Flaach


Hier die vollständige Stellungnahme der Eltern von Natalie K. :

Stellungnahme der Grosseltern zum Medienbericht der Direktion der Justiz und des Innern vom 23.1.15 über die Kindstötung in Flaach

Leider sehen wir uns als Grosseltern gezwungen, den Medienbericht kommentieren zu müssen. Zu schlecht recherchiert und mit Unwahrheiten versehen, können wir diesen nicht einfach so stehen lassen.

Zuerst zu den 5 Schlussfolgerungen im Bericht:


Punkt 1: mag rechtlich korrekt gewesen sein, da wir aber auf Wunsch des Vaters sofort nach Flaach fuhren um die Kinder zu übernehmen, und beide noch vor Ort waren, empfinden wir die Heimplatzierung als unmenschlich und nicht dem Wohl der Kinder untergeordnet. Sicher jedoch hätten die Kinder 2-3 Tage später zu uns gehört, allerspätestens mit der Entlassung unserer Tochter aus der U-Haft hätten die Kinder freigelassen und zurück zur Mutter gehört (der Grund des Obhutsentzugs war ja nicht mehr gegeben (war es eigentlich nie!),  seit dem13.11. war wieder ein Elternteil da).


Punkt 2: das ist schlicht nicht wahr, der Entscheid traf bei Natalie am 23.12. ein – und gleich nach Erhalt haben sowohl sie als auch ich mehrfach telefonisch versucht mit der verantwortlichen Person der KESB Kontakt aufzunehmen. Wir wurden am Telefon jedoch abgewiesen, Hr. „X“ sei in einem Meeting – unsere Wünsche nach Rückruf wurden zwar angehört, aber nicht erfüllt. Unsere Fragen zum Entscheid wurden nie beantwortet. Wieso dieser so plötzlich um 180 Grad anders lautete als alles was wir vorher hörten, selbst der Kindsbeistand hat am 16.12. nach der Wohnungsbegehung an Natalie geschrieben, Zitat :“ Prima! Ich hoffe nun fest, dass die KESB kein Haar mehr in der Suppe findet“. Sowohl das Heim als auch der Beistand und wir alle waren überzeugt, dass die Kinder am 19.12. definitiv aus dem Heim freigelassen würden.


Punkt 3: mit welchen Beteiligten bitte schön? Mit uns (Grosseltern, und Inhaber der väterlichen Vollmacht) wurde nie gesprochen. Unseres Wissens fand auch kein Gespräch mit unserer Tochter statt. Offenbar hat die „Untersuchung“ einseitig nur die Unterlagen der KESB begutachtet – wie damals der Bezirksrat hat auch dieses Mal niemand es als wichtig erachtet, die Seite der Kinder oder der Eltern zu betrachten und so ein objektives Bild zu erhalten.  Der Bezirksrat hat am 1.1.15 ohne Akteneinsicht entschieden, dass die massiven rechtlichen Mängel die die Anwältin in ihrer 16-seitigen Einsprache darlegte, „wenig glaubhaft“ seien und es den Kindern im Heim nicht schlechter gehe als zu Hause. Wo ist hier die Menschlichkeit geblieben? Wo der Grundsatz, im Zweifel für den Angeklagten? Es wurde in keiner Art und Weise ans Wohl der Kinder gedacht. Es war der Bezirksratentscheid, der unsere Tochter zur Tat trieb. Als Grosseltern hätten wir uns am 4.1.15 für immer (oder zumindest für sehr sehr lange) von unseren Enkeln verabschieden müssen ..


Punkt 4: natürlich nicht! Aber wieso hätten die Kinder dennoch ins Heim zurück gemusst? Das riecht nach Boshaftigkeit, nach Machtgehabe, nach Missachtung einfachster Menschenrechte und war/ist einfach nur gemein.


Punkt 5: einverstanden. Da wir ja nicht einmal zu normalen Bürozeiten mit der KESB kommunizieren konnten, wäre ein Pikettdienst mit einer dem Fall nicht vertrauten Person völlig nutzlos gewesen.


Vielmehr beschäftigen uns nach wie vor folgende, offene Punkte:

Hilfe hätte von Beginn weg zur Verfügung stehen sollen, in Form von Hilfe bei der Suche nach einer neuen Wohnung oder all die Fragen zu besprechen, die sich stellten da Natalie ein völlig neues Leben aufbauen musste. Aber in dieser sonst schon extrem schweren Phase einfach noch die Kinder wegzunehmen (das einzige was ihr damals noch einen Sinn im Leben gab), ist nach wie vor unfassbar.

Auch die offenen Fragen zur rechtlichen Korrektheit sind in der Medienmitteilung einfach missachtet oder übergangen worden:
- Wieso haben die Kinder nie den ihnen zustehenden Rechtsbeistand (Kinderanwalt) erhalten?
- Wieso haben weder Natalie noch wir (sowohl in der Funktion als Grosseltern, als auch als bevollmächtigte Vertreter des Vaters) bis zum 23.12.14 nie eine Rechtsmittelbelehrung erhalten? Und am 23.12. selbst nur in schriftlicher Form?

- Wieso waren wir als Grosseltern ab dem 10.11. nicht mehr erwünscht, verloren gar das Besuchsrecht? Was an uns ist so schlecht, dass man uns unsere Enkel nicht anvertrauen wollte? Wo wir sie doch jede Woche  1-2 mal sahen und eine enge Beziehung zu ihnen hatten?
- Wieso wurden die Kinder im Heim festgehalten, obwohl der Grund der Platzierung (die Inhaftierung beider Elternteile vom 4.11.) seit dem 13.11. nicht mehr bestand, da die Mutter wieder frei war?
- Wieso hat die KESB nie nach dem Kindeswunsch gefragt? Den Wunsch der Mutter, des Vaters und der Grosseltern missachtet?

Wir wurden von verschiedenster Seite schon gebeten, den Fall an den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg vorzutragen – hierzu fehlt uns aber (noch?) die Kraft und auch die finanziellen Mittel. In diesem konkreten Fall schämen wir uns tatsächlich, Schweizer zu sein. Dass nun neben dem Bezirksrat auch die Justizdirektion ohne Einsicht in alle Unterlagen einfach Unwahrheiten verbreitet, macht uns traurig.  Wir hatten gehofft, dass man ehrliches und aufrichtiges Interesse hätte die Vorgänge in der KESB Winterthur sowie des Bezirksrates objektiv zu untersuchen. Hier ist Unrecht geschehen, das aufgearbeitet gehört.

Die Medienmitteilung traf uns wie ein Schlag ins Gesicht. Er widerspiegelt auch nicht nur annähernd die Verzweiflung und den sehr aufreibenden Kampf den wir seit dem 4.11. für unsere Enkel austrugen. Das Gefühl des völligen Ausgeliefertseins, der Ohnmacht den Behörden gegenüber und das in einem Staat, der sich selbst nach aussen gerne als rechtsstaatlich und den Menschenrechten gegenüber verpflichtet gibt.

Unsere beiden Engel sind nicht mehr da, und kein Richter oder sonst wer kann uns Alessia oder Nicolas zurück geben. Das Leben ist leer geworden ohne sie.
Wir funktionieren zwar, unsere Hüllen gehen zur Arbeit, essen und trinken, aber leben tun wir noch nicht wieder.  

Dietlikon, 30. Januar 2015
Björn und Christine Kaiser